Einer der ersten Coups von Herthas 125 Millionen Investor Lars Windhorst, war die Einbindung von Jürgen Klinsmann in die sportlichen Geschicke bei Hertha BSC.
Klinsmann ist schon seit 2004 Ehrenmitglied bei Hertha. Windhorst hat ihm jedoch den Weg als Aufsichtsratsmitglied geebnet, dem er seit dem 8. November 2019 angehört.
Mehr Kompetenz für den Jürgen
Bereits am 27. November übernahm Jürgen Klinsmann das Traineramt bei Hertha vom geschassten Ante Covic. Vorerst als Interimstrainer. Er selbst hat zwar nie für Hertha gespielt, aber sein Vater war glühender Hertha Anhänger. Vielleicht reicht das den Fans als Identifikation.
Frei nach dem Motto „think big“ verläuft bisher die Wintertransferperiode. Für Hertha untypisch große Namen wie Mario Götze, Julian Draxler, Granit Xhaka oder Emre Can fliegen den Berlinern plötzlich um die Ohren. Hoffentlich sind das nur Nebelkerzen, um zu zeigen: Wir könnten, wenn wir wollen…
Klinsmanns Strahlkraft darf Hertha nicht blenden
Die neuen Mittel bei Hertha geben dem Verein Luft nach oben, müssen aber gezielt und durchdacht eingesetzt werden. Hertha täte gut daran, sich eher langsam nach oben zu orientieren.
Klinsmann sollte das wissen. Als seriöser Verantwortlicher muss er sich zusammen mit Manager Michael Preetz darum sorgen. Es darf nicht der Eindruck entstehen, dass man mit Siebenmeilenstiefeln nach vorne preschen will.
Herthas erste Tätigkeit auf dem Winter – Transfermarkt klingt dann auch wieder eher nach Hertha, nach Zukunft und nach Vernunft: Der argentinische U23-Nationalspieler Santiago Lionel Ascacíbar wurde vom VfB Stuttgart für marktgerechte 10 Millionen Euro verpflichtet.
Lieber step-by-step wachsen
Man schlägt mit solchen Transfers erstmal leisere Töne an. Michael Preetz hat in den letzten Jahren mit klugen Transfers ein wachsendes Kaufmännisches Geschick bewiesen. Eine Neuausrichtung des Vereins sollte ihn nicht von diesem Weg abbringen. Auch er weiß: Das Geld vom Investor ist endlich.
Hertha muss sich treu bleiben, auch mit Jürgen Klinsmann an Bord
Das Bild des demütigen Hauptstadtclubs mit guter Jugendarbeit und cleveren Transfers steht Hertha besser als das Bild eines neureichen „Big City Clubs„. Es ist immer gut, sich fähige Leute in den Verein zu holen, die an einem Strang ziehen. Es wird sich zeigen, ob sie in Berlin mit Klinsmann ein starkes Zugpferd bekommen haben. Oder einen Ackergaul der schwäbelt und gruselig grinst.
Nach dem „Kultverein“ FC St. Pauli aus Hamburg hat nun auch Berlin ein Pendant: den 1. FC Union Berlin. Das sind beides Vereine die sich als Gegenentwurf zum durchkommerzialisierten Profifußball sehen. Ist das ehrlich in dieser Glitzerwelt?
Falsches Selbstverständnis?
Um den eigenen Idealen zu entsprechen, müssten die Spieler, die den 1. FC Union in die erste Liga geschossen haben auch dafür kämpfen, dass der Verein dort bleibt. Ein verwegener Haufen von Haudegen und verkannten Feinfüßlern.
Doch die Vereinsbosse sahen ein, dass es unmöglich ist mit 11 Freunden in der Bundesliga zu bestehen. Das zeigt die Transferstatistik des 1. FC Union. Nicht weniger als elf neue Spieler wurden den Aufstiegshelden vor die Nase gesetzt. Drei Leihspieler wurden fest verpflichtet. Ein anfangs ausgerufener „Klassenkampf“ sieht anders aus.
Ist man am Ende ein ganz normaler Aufsteiger?
Unter den Neuzugängen sind einst namhafte Spieler wie Neven Subotic, Christian Gentner oder Anthony Ujah. Das sind allesamt keine Spitzenspieler, aber dennoch gestandene Bundesligaprofis. Typische Spielertypen für einen Aufstiegsverein. Erfahrung braucht man als Neuling.
Ich wüsste nicht, was Mitaufsteiger SC Paderborn anders macht, als der 1. FC Union. Gut, sie machen nicht so ein Gewese darum, dass sie kaum Geld haben und dennoch versuchen werden, in Liga 1 zu bleiben.
Image?
Eine Passage aus der Hymne, die wöchentlich aus tausend Kehlen schallt: „Wir lassen uns nicht vom Westen kaufen!“ wurde mit dem Einstieg eines luxemburgischen Immobilienunternehmens pulverisiert. Deren Name „Aroundtown“ ziert ab dieser Saison die Union – Trikots. Gerade für eine Stadt mit kritischer Wohnungsmarktlage ist dies ein mutiger Schritt.
Auch in Hamburg
Beim FC St. Pauli scheint man sich nicht komplett dem Kommerz entziehen zu können. Da wäre das geniale Totenkopf-Merchandise. Mittlerweile zieren Shirts, Tassen und Aufkleber mit dem St. Pauli-Piraten-Logo viele Mittelstandshaushalte. Antikapitalistisch ist daran nichts mehr. Auch der Fanshop in bester Reeperbahn – Lage wird nicht wenig Miete kosten.
Und nu?
Daran ist nichts verwerflich. Aber sich selbst als kultigen Underdog zu stilisieren und dennoch voll in einem „Kommerzkonstrukt“ wie der Bundesliga mitzumischen schon. Genau wie jeder andere Bundesligist kauft man Spieler ein und handelt Sponsorendeals aus. Gibt es etwas kapitalistischeres und kommerzielleres als ein Immobilienunternehmen? Oder schafft man, wie in Hamburg, Stehplätze nach und nach ab? Weil sie zu unbequem sind für reiche Ärsche?
Tut mir einen Gefallen, werter FC St. Pauli und werter 1. FC Union: Lügt euch nicht in die eigene Tasche.
Union und Hertha als erbitterte Feinde? Als verbissene Kämpfer um die Vorherrschaft in Berlin? Nun, die älteren Fans werden sich vielleicht erinnern: Das war nicht immer so.
Im Gegenteil. Vor der Wende bestand etwas, was man heute als „Fanfreundschaft“ bezeichnen würde. Zwischen den Anhängern des 1. FC Union und Hertha BSC gab es offene Sympathiebekundungen in Form von Bannern und Gesängen. Sogar die Farben der befreundeten Fanlager sah man in beiden Stadien.
Warum überhaupt?
Der 1 FC. Union war damals DER Verein, für Oppositionelle in der DDR. In einer anonymen Menschenmasse ließ es sich besser protestieren. Die größte „Feindschaft“ bestand mit dem als Stasi-Club verhassten Berliner Fußball Club Dynamo. Damals noch Konkurrent in der höchsten Spielklasse der DDR.
Deshalb war eine freundschaftliche Verbindung mit einem Westverein nur logisch. Mitglieder der Fanklubs beider Mannschaften trugen die Schals, Mützen und Westen in den Farben des befreundeten Klubs. Auf den Aufnähern standen offen politische Statements: „Freunde hinter Stacheldraht“ oder „Hertha und Union – eine Nation“
Unterstützung wo es ging
In den 1970er Jahren gab es erste Kontakte, wenn Hertha in der DDR oder in den Ostblockstaaten Europacup-Spiele bestritt. Stets befanden sich auch Unionfans unter den Zuschauern. Wenn die Hertha-Anhänger die Ostberliner Kolleginnen und Kollegen bei Oberligaspielen besuchten, brachten sie Fanutensilien mit und versorgten Fans aus Ostberlin mit Fußballsammelartikeln und Informationen über die neuesten Fan-Trends in den Stadien Westeuropas.
Höhepunkt der Freundschaft war wohl das Uefa-Cup-Viertelfinale 1979. Gegen die Mannschaft von Dukla Prag erreichte Hertha im Hinspiel nur ein mageres 1:1. Hertha drohte aus dem Europapokal zu fliegen. Die Partie in Prag allerdings, wurde fast zum Heimspiel für die West-Berliner. Von den 30.000 Zuschauern im Dukla-Stadion bestand rund die Hälfte aus Union- und Herthafans. Die Schlachtenbummler reisten sogar gemeinsam an. Die Herthaner fuhren vom Bahnhof Zoo los und sammelten am Ost-Berliner Bahnhof Schönefeld, wie abgesprochen die Union-Fans ein. In Prag vernahm man dann deutlich den Schlachtruf „Hertha und Union“.
Doch wie kam es zum Bruch?
Wie wurden diese beiden wunderbaren Vereine zu feindlichen Konkurrenten? Am 27. Januar 1990 kam es endlich zu der berühmten Partie im Olympiastadion, die als „Wiedervereinigungsspiel“ bezeichnet wurde. In Anwesenheit von über 50.000 Zuschauern gewann Hertha 2:1. Noch feierten die Fans beide Vereine. Das Rückspiel in der alten Försterei fand aufgrund von Umbauarbeiten und Terminproblemen erst im August statt. Angesichts einer Zuschauerzahl von gerade einmal 4000 Fans sah man schon erste Anzeichen der gegenseitigen Gleichgültigkeit. Keiner weiß genau warum. Es war quasi wie bei einer Ehe. Die alte „Freundschaft hinter Stacheldraht“ geriet bald in Vergessenheit. Es entwickelte sich eine neue Fan-Generation, die die alten Zeiten nicht mehr erlebt hat. Mittlerweile kennt man nur die Rivalität zweier Vereine um eine Stadt.
Das ist schade und wie bei jeder zerbrochenen Beziehung könnte man sich sagen: Wir bleiben Freunde. Wir versuchen es zumindest …
Für viele stellt sich die Frage, ist Lucien Favre der richtige Trainer für den BVB? Klar, er hat die Meisterschaft nach der Niederlage gegen Schalke vermeintlich abgeschenkt…
Ist das wirklich so schlimm?
Aber ist er deshalb ein schlechter Trainer? Weil er aus der Enttäuschung heraus eine Aussage getätigt hat, die ihm jetzt von allen um die Ohren gehauen wird? Ist er nicht emotional genug? Kann er schlecht coachen? Reißt er seine Mannschaft nicht mit? Eines steht unumstößlich im Raum: Er wurde außerhalb der Schweiz noch nie Meister.
Ok, ok, ok… Jetzt kommt das große aber: Er hat außerhalb der Schweiz bisher noch nie ein Top-Team trainiert, welches ernsthafte Ambitionen auf eine Meisterschaft hatte.
Das kann er wirklich
Dass er jetzt mit einer neu zusammengestellten und jungen Truppe wahrscheinlich nicht auf Anhieb Meister wird, kann man ihm doch nicht ernsthaft ankreiden. Von Spielern, ehemaligen und aktuellen, hört man nur Gutes über Favre.
Er holt stets das Maximum aus seinem Kader heraus. Er macht immer wieder einzelne Spieler gezielt besser. Durch kleine Tricks und Kniffe, die nur er in seiner Akribie sieht. Fußstellung im Passspiel oder Körperhaltung bei der Ballannahme. Er gibt jungen Spielern Vertrauen in den richtigen Momenten. Er stellt sich vor sie und übernimmt Verantwortung. Er war es, der damals bei Gladbach einen Marco Reus zu einem Top-Spieler formte (2011-2015). Er hat mit Jadon Sancho (19) einen der begehrtesten Flügelspieler Europas hervorgebracht. Er hat die Meisterschaft nach 6 Jahren Bayerischer Dominanz endlich wieder spannend gemacht.
Alles in seiner ersten Saison bei Borussia Dortmund.
Ein paar Fakten
Um die aktuelle Misere mal etwas zu sezieren: Die jetzige Offensive ist mit dem jungen Engländer Jadon Sancho, dem Spanier Paco Alcácer, dem Amerikaner Christian Pulisic, Mario Götze und Marco Reus sehr gut bestückt und erfahren. Mit 76 geschossenen Toren stellt der BVB die zweitbeste Offensive der Liga. Im krassen Kontrast dazu steht die Defensive. Tabellenführer Bayern und der Tabellendritte Leipzig haben nur 31, bzw. 27 Gegentore bekommen. Der BVB hingegen schon 42. Kein Wunder, bei einer Verteidigung, die in der Stammformation 21, 3 (!!!) Jahre alt ist. Ein Angriff gewinnt Spiele, eine Abwehr gewinnt Meisterschaften. Das ist zwar eine alte Fußball-Weisheit, scheint aber auf den BVB übertragen aktueller denn je. Dass die Abwehr zerbröselt und unsicher scheint, ist angesichts des Alters und einer Verletztenmisere nicht verwunderlich.
Was fehlt denn noch?
Der zweite Punkt ist die mangelnde Führungskraft. Der international erfahrene Spieler Axel Witsel im defensiven Mittelfeld ist in seiner ersten Saison in Dortmund und scheint bisher kein Lautsprecher zu sein. Es braucht mehr Führung in der Mannschaft. Auch, wenn Mario Götze mit 26 und Marko Reus, 29, durchaus erfahren sind, sind sie keine klassischen Führungsspieler. Keine die lautstark Anweisungen geben. Manchmal muss jemand auf den Tisch hauen und Ansagen machen. Manuel Akanji hat diese Persönlichkeit, ist aber erst 23 und kann sie noch nicht auf den Platz bringen.
Wichtiger für die Beurteilung des Trainers ist, dass die Mannschaft in der Hinrunde weit über ihren Möglichkeiten gespielt hat. Sie waren längst nicht so gut, wie sie von außen gemacht wurden. Hinzu kam die untypische Schwächephase der Münchner, welche sie zur Rückrunde überwunden haben.
Etwas Positives
Auch wenn es so aussieht als ob München schon wieder Meister wird, macht diese junge Dortmunder Mannschaft Spaß. Bei weiterer Entwicklung und ohne Aderlass wird man schon bald dauerhaft um die deutsche Meisterschaft mitspielen.
Ist Lucien Favre nur weil er nicht wie ein Derwisch an der Seitenlinie rumhampelt ein schlechter Trainer? Ich denke, jeder Trainer hat einen anderen Charakter. Favre ist ruhig und etwas passiv. Auch wenn er bisher nichts wichtiges gewonnen hat. Lasst ihn gewähren. Erfolg kommt…
Eine moralische Instanz ist Ulrich Hoeneß sicherlich nicht. Nicht erst seit seiner Steuer-Affäre. Die Mittel, mit denen der FC Bayern seine Vormachtstellung im deutschen Fußball erlangt hat, dürfen als zweifelhaft bezeichnet werden.
Stimmt nicht? Alles sauber? Na mal schauen:
Seit dem Amtsantritt von Uli Hoeneß als Manager beim FC Bayern, 1979, zieht sich bis heute ein roter Faden durch die Transferpolitik des Vereins. Das Prinzip ist so einfach wie genial; eines ist es mit großer Sicherheit nicht: sozial.
Folgende Methode lässt sich erkennen: Der gezielte Kauf der besten Spieler eines konkurrierenden Vereins. In der Regel verbessert sich so der eigene Kader. Wichtiger jedoch scheint die gezielte Schwächung der Konkurrenz. Beispiele gefällig? Es sind erschreckend viele:
Borussia Mönchengladbach
1980, ein Jahr nach dem Amtsantritt von Manager Uli Hoeneß verpflichtete er Calle Del’Haye von Borussia Mönchengladbach, dem Dauer-Rivalen der 1970er Jahre. Pal Csernai, damals Bayern-Trainer, konnte mit dem Spieler wenig anfangen. Ein schneller Flügelspieler passte nicht in sein damaliges Spielsystem. Aber Gladbach hatte seinen Leistungsträger nicht mehr.
Nach Wiedererstarken der Borussen holte man sich 1983 deren jungen Spielmacher Lothar Matthäus, der später Weltfußballer wurde.
Quelle: flickr/ Richard von Habsburg
Der 1. FC Nürnberg
1985, nach seinem Aufstieg, strebte der 1. FC Nürnberg jedes Jahr weiter Richtung Tabellenspitze. In kleinen Schritten zwar, aber 1988 waren die Franken immerhin fünfter. Das sah man in München offenbar als Gefahr und luchste dem „Glubb“ hintereinander Hans Dorfner (1986), Stefan Reuter, Roland Grahammer (beide 1988) und Manfred Schwabl (1989) ab.
Der 1. FC Köln
Als nächstes wurde der 1. FC Köln Opfer der bayerischen Wut auf mögliche Konkurrenz. Die Domstädter stürmten 1989 forsch auf den 2. Platz und waren hungrig auf mehr. Also kauften die Münchener schnell deren strategisch wichtigen Abwehrchef Jürgen Kohler und schwächten die Kölner damit nachhaltig.
Karlsruher SC
Weiter ging es mit dem KSC. Der Karlsruher Sport Club wirbelte in den frühen Neunzigern die Bundesliga auf. Trainer Winfried Schäfer wagte es, von der „Meisterschaft bis zum Jahr 2000“ zu träumen. Das hörte man in München nicht gerne und kaufte in sieben Jahren 6 Spieler der Badener. Darunter Kaliber wie Mehmet Scholl und Oliver Kahn. Der Karlsruher SC spielt heute in der 3. Bundesliga.
Quelle: flickr/ Amir Marvi
Der 1. FC Kaiserslautern
Ein aufmüpfiger Verein aus der Pfalz musste als nächster dran glauben. 1991 wurde der 1. FC Kaiserslautern überraschend deutscher Meister. Das ließ der FC Bayern natürlich nicht ungestraft. Der damalige Starstürmer der Pfälzer, Bruno Labbadia, wurde direkt nach München gelotst. 1993 wechselte dann Jungstar Marcel Witeczek an die Isar, 1995 folgte Spielmacher Ciriaco Sforza dem Ruf aus Bayern. In der Folgesaison stiegen die Lauterer in die 2. Liga ab. 1998, nach der Rückkehr in die Bundesliga, schaffte der FCK das Kunststück und wurde als Aufsteiger direkt deutscher Meister. Die erstarkten Lauterer belegten in den Folgejahren zweimal Platz 5. Also kauften die Bayern erneut Sforza, der zwischenzeitlich in die Pfalz zurückgekehrt war. Die Lauterer spielen mittlerweile auch in Liga 3.
Kurz verschnaufen. Reicht das? Oder mehr? Ja? Weiter gehts:
SV Werder Bremen
Als hartnäckig erwies sich ab Mitte der 1990er Jahre der SV Werder Bremen. Die Norddeutschen wurden unter Trainer Otto Rehhagel zu einer ernstzunehmenden Bedrohung. Also verpflichteten die Münchener 1995 gleich den Trainer, der seine Schlüsselspieler Andreas Herzog und etwas später Mario Basler mitbrachte. Bremen berappelte sich dennoch und wagte es 2004 Meister zu werden. Im Handumdrehen verpflichtete man diesmal Torjäger Miroslav Klose und Abwehrchef Valerien Ismael. Und sie setzten in München diesmal noch einen drauf: Der FC Bayern holte auch Nationalspieler Jan Schlaudraff von Alemania Aachen, damit die interessierten Bremer ihn nicht verpflichten konnten. Er versauerte in München auf der Bank und spielte im deutschen Fußball keine große Rolle mehr (Ähnliches wiederholte sich später mit Jan Kirchhoff und Borussia Dortmund). Nachdem die Bremer 2008 mit der Vizemeisterschaft wieder aufmuckten, holte man so ganz nebenbei Schlüsselspieler Tim Borowski. Er ging dann irgendwo in München unter.
VFB Stuttgart
Unvergessen auch, wie die Münchener das „Magische Dreieck“ aus Stuttgart sprengten. Die Schwaben wurden 1997 DFB Pokalsieger, glänzten mit Offensivfußball und stellten den wohl besten Angriff der Bundesliga. Das wurde den Bayern zu bunt. Sie verpflichteten den Brasilianischen Stürmerstar Giovane Elber und zerrissen damit das Dreieck Elber-Bobic-Balakov. Die Stuttgarter kamen 2006 wieder zurück und wurden Meister, im Jahr darauf sechster und im Jahr darauf dritter. Man bestellte den damaligen Star der Mannschaft, Stürmer Mario Gomez umgehend in die Bayerische Hauptstadt.
Quelle: flickr/ Kalaallit_
Bayer Leverkusen
Bayer Leverkusen a.k.a. Vizekusen war um die Jahrtausendwende ein großer Konkurrent in der Tabelle. Auch wenn Leverkusen nie einen Titel gewann, kamen sie den Münchnern von Saison zu Saison ziemlich nahe. Da sah sich der FC Bayern gezwungen, dem Werksclub im Laufe der Jahre eine Reihe von Topspielern abzuluchsen. Man wollte wohl Schlimmeres verhindern. Also kamen 2001 Robert Kovac, 2002 Ze Roberto und Michael Ballack und 2004 schließlich noch Lucio an die Isar. Bayer war bis heute nicht Meister.
Borussia Dortmund
Im Ruhegebiet wachte langsam aber sicher ein Riese des deutschen Fußballs auf. Als ein sehr ernstzunehmender Konkurrent wurde Borussia Dortmund in jüngerer Vergangenheit aufmüpfig. Unter dem bis dahin nicht so bekannten Trainer Jürgen Klopp wirbelte eine junge Truppe die Bundesliga auf. 2011 und 2012 wurde Borussia Dortmund deutscher Meister und zog 2013 ins Finale der Champions League ein. Dort trafen sie direkt auf den FC Bayern. Den Münchenern ging das gehörig auf die Nuss. Also bediente man sich altbewährter Mittel: Man lotste die talentiertesten Spieler, den späteren Weltmeister Mario Götze und den bis heute besten Mittelstürmer Europas, Robert Lewandowski, in die Bayerische Landeshauptstadt.
Als ob das nicht genug Schmerz wäre, verkündete man die Wechsel kurz vor dem Endspiel um die Champions League. Ein Schelm, wer denkt, dass das Unruhe stiften sollte im Lager der Borussen! Kurzum: Der Titel und die Spieler gingen an den FCB. Von da an wurde der FC Bayern sechs mal in Folge Meister.
Quelle: flickr/ Kalaallit_
Fazit
Dass größere Vereine gute Spieler von kleineren Vereinen holen, um sich zu verstärken, ist normal, nachvollziehbar und natürlich. Darwin lässt grüßen. Der FC Bayern hingegen scheint darauf bedacht, auf nationaler Ebene keine Konkurrenz heranwachsen zu lassen. Sich zu verstärken ist eine Sache; sich zu verstärken, um andere zu schwächen, eine andere.
Etwas mutig klang es, als Bayern München im Sommer mit Leon Goretzka lediglich einen Neuzugang vorstellte. Dem standen nämlich namhafte Abgänge wie Arturo Vidal (zum FC Barcelona) und Juan Bernart (zu Paris St. Germain) gegenüber. Auch Sebastian Rudy (zu Schalke 04) verließ den Verein. Wunschspieler des neuen Trainers Niko Kovac hingegen, hatten die Verantwortlichen in ihrer bayerischen Hochnäsigkeit abgelehnt. Sie wären nicht Bayern-tauglich. So, so…
Vielleicht doch nicht ganz so schlecht
Unter den Wunschspielern befand sich ein gewisser Außenstürmer namens Ante Rebic, der damals wohl für eine einstellige Millionensumme zu haben gewesen wäre. Statt seinem ehemaligen Trainer zu folgen, verlängerte er im August 2018 seinen Vertrag bei Eintracht Frankfurt bis zum Sommer 2022.
Nach einer bisher fulminanten Saison ( 8 Tore, 3 Vorlagen) ist mittlerweile die halbe Premier League hinter Ante Rebic her. Manchester United, Liverpool sowie der FC Arsenal haben bisher Interesse bekundet. Aufgrund dieser Konkurrenz wird Bayern nun erheblich tiefer in die Tasche greifen müssen, wenn sie ihn verpflichten wollen.
Jetzt würde es passen
Nach einem anstehenden Umbruch inklusive Neubesetzung der beiden Außenstürmerposten (Ribéry wird nicht jünger, Robben packt seinen Wohnwagen und geht zurück in die Heimat), ist ein Interesse nicht sehr weit hergeholt.
Außerhalb des FC Bayern-Kosmos wird man sich ein Schmunzeln wohl nicht verkneifen können. Auch einen Niko Kovac hört man heimlich zischen: Ich hab´s doch gesagt…
Herha BSC verkündete vor einigen Jahren, man wolle einen neuen Weg gehen. Keine fertigen Spieler für viel Geld verpflichten, sondern eigene Talente einbauen und überwiegend junge Spieler verpflichten, um sie später teurer zu verkaufen. Gute Strategie.
Hertha fährt riskant
Doch hat man damals bedacht, dass auch mehrere Spieler auf einmal den Verein verlassen könnten? Damit würden Mannschaftsachsen zerrissen. Wichtige Bausteine verschwinden. Es entstehen gefährliche Lücken für die taktischen Ausrichtung. Das zieht extreme Leistungsschwankungen nach sich.
Man muss aufpassen, dass man kein reiner Ausbildungsverein wird, der immer wieder die besten Spieler abgeben muss. Mit dieser Strategie kann man vielleicht gerade so im Mittelfeld der Bundesliga bestehen. Ähnlich wie der SC Freiburg, nur eine Nummer größer. Das ist nicht respektlos gemeint.
Beispiele gefällig?
Mitchell Weiser (24) beispielsweise ging vor der Saison für ca. 12 Millionen Euro zu Bayer Leverkusen. Den konnte man glückerweise 2:1 mit dem starken Valentino Lazaro (22) ersetzen.
Er konnte die Erwartungen sogar übererfüllen. Mit seinen starken Leistungen war er quasi ein „Upgrade“ im Vergleich zu Weiser. Jedoch sollte die Vereinsführung nicht davon ausgehen, dass das immer gelingt.
Es kommt wie befürchtet
Jetzt steht man kurz- bis mittelfristig vor dem oben genannten Dilemma. Man hat viele junge Spieler, die hochveranlagt sind und wahrscheinlich demnächst weiterziehen. Niklas Stark (23) beispielsweise ist mit seinen jungen Jahren unumstrittener Abwehrchef bei Hertha. Folgerichtig wurde er in die A-Nationalmannschaft berufen. Dortmund wirbt offen um seine Dienste.
Valentino Lazaro (22) wird schon nach einer Spielzeit beim BSC mit dem SSC Neapel und AC Mailand in Verbindung gebracht. Davie Selke (24) erweckte das Interesse von mehreren Clubs aus England. Für den hochveranlagten Arne Meier (20!!!) gibt es jetzt schon viele Interessenten, unter anderem den FC Barcelona. Die Vertragsverlängerung mit Maximilian Mittelstädt (22) zieht sich bisher.
Der Spagat muss gelingen
Hertha muss es nun schaffen, mögliche Erlöse sinnvoll einzusetzen und Qualität nachzukaufen. Einfach mal mutig sein und ein paar Milliönchen für ältere Spieler in die Hand nehmen. Anders wird das nichts mit höheren Zielen.
Als Paco Alcácer in der Hinrunde 2018/19 als Einwechselspieler ein Tor nach dem anderen für Borussia Dortmund schoss, rieb man sich beim FC Barcelona ungläubig die Augen. Die Real Madrid nahestehende „Marca“ nahm jubelähnliche Sprüche in den Mund und berichtete von „Einem Fehler, der für die Katalanen historische Ausmaße annehmen könnte.“ Da hatten sie einen perfekten Backup für Luis Suárez (ist kein Halbgott und braucht auch seine Spielpausen) und lässt ihn nach nur zwei Jahren wieder gehen.
Man kannte ihn doch
In Spanien war Alcácer eigentlich kein Unbekannter. Mit der Empfehlung von 43 Toren in 124 Spielen für den FC Valencia kam er im Sommer 2016 nach Barcelona. Er hätte sich super geeignet, um den ausgepumpten Suárez das ein ums andere Mal zu ersetzen. Man ließ ihn stattdessen nach Dortmund ziehen. Für eine Summe von 25 Millionen Euro (inkl. Leihgebühr). Heutzutage ein „Spottpreis“. Wie Restposten. Bei Tedi.
Barca? Sehr gerne
In Dortmund scheint man gerne Geschäfte mit dem FC Barcelona zu machen. Zur Saison 2017/18 streikte sich ein gewisser Herr Dembélé zu den Katalanen. Im Gegenzug bekam man jedoch die völlig unangemessene und überhöhte Summe von 120 Millionen Euro aus Barcelona überwiesen. Wir reden hier von Euro. Keine türkischen Lira. Der Kerl ist ohne Zweifel hochtalentiert. Aber 120 Millionen Euro? Für einen damals 20 – jährigen? Gut, wer hat der hat.